Share

 

Counter

Besucher:452115
Heute:55
Online:1
 

Projektreihe „80 Jahre Machtergreifung“ in Schorndorf

Kommunalpolitik

Nach einer sehr emotionalen und harten Debatte im Schorndorfer Gemeinderat wollen wir hier einen Kommentar von ehemaligen politisch Engagierten zu den Vorfällen im Gemeinderat posten.
Was ist passiert?
In der letzten Sitzung des Schorndorfer Gemeinderates wurde auf Drängen der CDU und FDP/FW-Fraktionen das Geld für die Veranstaltungsreihe „80 Jahre Machtergreifung“ im Jahr 2013 von 25 000 auf 15 000 Euro reduziert. Das Schlimmste waren aber mit Abstand die Argumente der CDU und FDP/FW-Stadträte. Die Schorndorfer Nachrichten titelte zurecht, dass die Machtergreifung in Schorndorf kleinhalten werden solle. Den vollständigen Zeitungsartikel findest du hier auf der ZVW Homepage. Exakt vor einem Jahr ereignete sich im Schorndorfer Gemeinderat eine ähnliche Debatte zur Umbenennung der Hindenburgstraße in Schorndorf-Weiler. Diese scheiterte ebenso an der gleichen Mehrheit.

Gastkommentar:
"Opa war kein Nazi" heißt ein bekanntes Buch von Harald Welzer, in dem die Vermittlung der NS-Vergangenheit innerhalb von Familien analysiert wird. Überraschendes Ergebnis der Studie: Von NSDAP-Mitgliedschaften, Kriegsverbrechen, Mittäterschaft, systematischer Diskrminierung, Verfolgung und Ermordung von Minderheiten ist kaum die Rede. Stattdessen steht das Leiden der eigenen Angehörigen, Bomben und Vetreibung im Mittelpunkt des kollektiven Familiengedächtnisses. Klar, wer beschäftigt sich schon gerne mit der eigenen Schuld? Es bedurfte der Generation der 68er, damit die von der Adenauer-CDU geprägte Bundesrepublik endlich begann, sich der historischen Verantwortung und der mangelnden Aufarbeitung des NS-Regimes zu widmen. Wer hätte gedacht, dass es im Jahr 2012 noch immer Menschen gibt, die sich einer kritischen Auseinandersetzung mit der eigenen Vergangenheit verweigern?

Die Verweigerung und die Aussagen der Gemeinderät*innen der Fraktionen von CDU und FDP/FW grenzen an Geschichtsrelativismus. Wenn CDU und FDP, (ob in Berlin oder Schorndorf,) in ihrer Ewiggestrigkeit Hindenburg huldigen, und zudem die Auffassung vertreten, Jugendliche in Deutschland wüssten zwar alles über Auschwitz, aber nichts über Ostpreußen, sollten sie noch einmal ernsthaft über ihr demokratisches Selbstverständnis nachdenken. Wer Rechtsextremismus und den angeblich existierenden gewaltausübenden Linksextremismus auf eine Stufe stellt, tut nichts anderes, als die Verbrechen der (Neo-)Nazis zu verharmlosen. Diese Aussagen sind ein Faustschlag ins Gesicht der Opfer und der vielen couragierten Menschen, die sich mutig Fremdenfeindlichkeit und Rechtsextremismus in den Weg stellen. An dieser Stelle soll daran erinnert sein, dass der Rems-Murr-Kreis sogar bundesweit immer wieder auf Grund rechter Gewalttaten für Aufsehen sorgt.
Viele Schüler*innen wissen übrigens erstaunlich wenig über die Geschichte des Faschismus in Deutschland. Die Zahlen der ermorderten und verfolgten Menschen sind für viele abstrakt und unnahbar, ohne Bezug zur eigenen Identität. Hier kann die Geschichte des eigenen Ortes helfen, Bezüge herzustellen, Geschichte greifbarer und die Frage von historischer Veranwortung erlebbar zu machen. Das Recherchieren von jüdischem Leben in Schorndorf, die Aufarbeitung von individuellen Schicksalen aus der Nachbarschaft und Überlegungen zu lokalem Erinnern und Mahnen sind gute Möglichkeiten, junge Menschen für die NS-Zeit zu sensibilisieren. "Nur wer die Vergangengheit kennt, hat auch eine Zukunft", hat Wilhelm von Humboldt einmal gesagt. Angesichts der kollektiven geschichtlichen Unkenntnis der konservativen Kräfte in dieser Stadt, muss man sich große Sorge um die Zukunft machen. Die Stadträt*innen von CDU und FDP/FW verkennen die gesellschaftlichen Realitäten. Mindestens 149 Menschen sind seit 1990 Opfer rechter Gewalt geworden, weil sie die falsche Religion, die falsche Hautfarbe, die falsche Herkunft, die falsche Person geliebt, oder die falschen politischen Ansichten vertreten haben, und heute verbinden die Menschen mit Adolf Hitler am ehesten Bruno Ganz. Alles kein Problem für CDU und FDP/FW. Achja, Opa war ja gar kein Nazi, zumindest in Schorndorf nicht.

Lisa Käfer (23), ehemaliges Vorstandsmitglied der Grünen Jugend Rems-Murr, studiert Sozialwissenschaften in Marburg
Alice Spätgens (25), ehemalige Vorsitzende der Schorndorfer Jusos, studiert Rechtswissenschaft in Tübingen
Hannes Storm (23), ehemaliges Vorstandsmitglied der Grünen Jugend Rems-Murr, studiert Sozialwissenschaften in Berlin
Robin Völker (24), ehemaliger Vorsitzender der Schorndorfer Jusos, studiert Sozialwissenschaften in Berlin

 
 
 

Kommentare

Zu Artikeln, die älter als 90 Tage sind, können keine Kommentare hinzugefügt werden.

DpzWfZCRiiduxJFa

Can one take photos/video at Japanese live shows?I've seen bands stop payling because people were taking photos on two separate occasions (though one was because they were using flash; no-flash was ok). I assume some bands don't want their photos taken because they don't want people undercutting their glossy fan photo market -- an argument unlikely to apply to toe.Anyway, you should come to a visual kei event to witness slightly different audience behaviour...

Autor: Jason, Datum: 21.03.2013


GiCFOZXOOeby

composed by hsm 2012-06-02 with continually inaalhtion of huge amountsit. the eye-stinging effects that urine can bring about won't go away,Remove Dander -Dander is dead flakes of skin which might be shed by all warm-blooded animals as newer healthier skin replaces it, Shedding is continuous as they move by means of they everyday activities, There's absolutely nothing you can actually do about this continual process except deal with it! Clearing it from the air keeps felines and humans healthful. Since it is so small 2 to 5 microns in size it can conveniently penetrate the inner tissue of the lungs and with continually inaalhtion of huge amounts, it could cause nodules to form. Most usually they may be benign. but clearing the air reduces the quantity attainable to become inhaled. shirly 2012-06-01 linkscorp.

Autor: Aurea, Datum: 19.03.2013